Dienstag, 25. Oktober 2011

Plattenbaugefühle

Es war einmal ein Junge - 16 Jahr, blondes Haar - musste aus Berlin nach Kranichstein (Darmstadt) umziehen, wegen der Familie, wollte nicht, ist doch klar, von der Hauptstadt in der Provinz und dann noch in einer Plattenbausiedlung ... Leider kein Märchen, auch nicht die Tatsache, dass er, na ja, ein weinig "anders" war, was er aber noch nicht wusste. Alle Andre um sich herum sahen es ihm an: "Der Junge ist anders". 
Und dann kam die Liebe, so wie sie eben kommt, unerwartet, unangekündigt, unangemeldet. "eine neue Liebe, ist wie ein neues Leben ..." ja, ja, aber hier handelt es sich um DIE ERSTE LIEBE, und die kommt im Form eines türkischen Mitschülers, oh doch, und die Probleme nehmen ihren Lauf. Für alle.
Ein Buch, nicht nur für Jugendliche: Plattenbaugefühle.  
Ein Buch für regnerische Herbsttage, mitten in Deutschland.
ISBN: 978-3942223-07-2 
  

Donnerstag, 29. September 2011

DARF’S EIN BISSCHEN GRAS SEIN?

                                           Bildnachweiss: bettyscuisine.blogspot.com/.../blog-post_27.html

N
ichts ist für mich so urgriechisch wie »Gras«. Chórta (χόρτα) ist die Bezeichnung, die der Grieche allem verpasst, was als Kraut oder Unkraut oder sonst wie grünlich auf dem Boden wächst. Grünzeugs also – oder eben »Gras«, wie Boss mir diese Nationalspeise seinerzeit grinsend vorstellte.
Es gibt die unterschiedlichsten Sorten von Chórta – wir nehmen meistens die rötlichen löwenzahnartigen Blätter oder einfach diese Kreuzung zwischen Löwenzahn und Distel, die draußen im Garten unter den Zitronenbäumen hervorschießt. Viele andere Arten wachsen auf den Bergen ringsumher. Die Griechen haben für jede ihrer Chórtapflanzen einen eigenen Namen: »Vlítha«, »Raídio«, »Kafkalíthra«, »Láppassos« und viele mehr. Im Frühjahr hat mir eine Freundin auch mal Wildspargel von Paros mitgebracht.
Chórta – davon sind hier alle überzeugt, ist ausgesprochen gesund und enthält viele Mineralstoffe und Vitamine, die der Körper braucht. Denn sonst, so erklärte man mir, hätte der Grieche sicherlich die Kriegsjahre nicht überstanden. Während des zweiten Weltkrieges waren Häfen und Zufahrten nach Griechenland teilweise komplett barrikadiert. Essen gab es wenig und das Volk hungerte. Ohne die Fähigkeit, auch aus »Gras« ein Essen zu machen, wären während der kargen Jahre viele verhungert.
Wir haben Chórta probiert – zunächst einmal im Lokal. Heute ist es fester Bestandteil unserer Speisekarte und kommt sehr häufig warm oder kalt auf den Tisch. In Speisekarten findet man es auf die kuriosesten Arten übersetzt: Berggemüse, Wildgemüse, grünes Gemüse nach Jahreszeit. Schaut man in den griechischen Text, heißt es einfach »Chórta«, und der Kellner klärt auf, welche Sorte oder Sortenmix man denn heute hat.
Es hat geschmeckt. Sogar so gut, dass wir uns anschließend Samen mitgenommen haben, um das Gemüse im Garten in Deutschland zu ziehen. Das hat dann zwar insofern geklappt, als es gewachsen ist. Insofern aber dann auch wieder nicht, weil es nicht schmeckte. Ihm fehlte wohl die mediterrane Sonne zum wirklichen Gedeihen...Auszug aus "ZITRONEN AUS HELLAS" von Edit Engelmann ISBN: 978-3-942223-09-6

Montag, 26. September 2011

XENOS in GRIECHENLAND

»Hals über Kopf hat sich Eva dazu entschlossen, mit ihrer großen Liebe nach Griechenland zu ziehen. Keinen Gedanken hat sie daran verloren, wie das Leben sein wird in einem fremden Land …« Deutsche und deutschsprachige Immigranten erzählen aus ihrem Leben in Griechenland: über Begegnungen, Erfahrungen und ihre Gefühle.

19 ausgewählte Beiträge des Kurzgeschichtenwettbewerbs »Xenos in Griechenland« werden zweisprachig – im deutschen Original und in griechischer Übersetzung – präsentiert. Der Wettbewerb wurde aus Anlass des 50-jährigen Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und Griechenland vom Goethe-Institut Thessaloniki in Zusammenarbeit mit dem Größenwahn-Verlag Frankfurt am Main veranstaltet.

Größenwahn Verlag Frankfurt am Main
www.groessenwahn-verlag.de
ISBN: 978-3-942223-06-5

Sonntag, 24. Juli 2011

DIE AUGEN DER SAPPHO

Das Geräusch einer Bewegung ließ Marion hinter sich schauen, und sie sah in Moiras jetzt offene Augen. Ein paar Sekunden lang wandten sie den Blick nicht voneinander ab. Dann verschränkte Moira die Arme unter ihrem Kopf und sagte leise:
«Δέδυκε μεν α σελάννα
και πληίαδες. Μέσαι δε
νύκτες, παρά δ’έρετ’ ώρα.
Εγώ δε μόνα κατεύδω.«
»Was heißt das?«, fragte Marion.
»Untergegangen sind wohl Mond
und Plejaden. Mitternacht
ist und vorbei ging die Zeit.
Ich aber, ich liege einsam.«
Marion beugte sich zu ihr hinab und streichelte durch das Gewirr von Moiras schwarzem Haar. Dann lächelte sie und sagte: »Aber es ist weder Mitternacht noch liegst du einsam. Ich bin doch hier …«
»Es sind Verse von Sappho. Sie stammen aus der Vergangenheit – aber sie weisen in meine Zukunft, mein Herz.«
Auszug aus dem Buch: DIE BLAUE TÜR - Ägäische Geschichten von Brigitte Münch

Sonntag, 17. Juli 2011

PIIGS

"PIIGS"
Mit einen »i« ist es das englische Wort für »Schweine« – und wird für die Staaten der Eurozone genutzt, die schon bankrott sind: Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien... Auszug aus KRISE! KRISE! von Edit Engelmann - Schulden am Olymp - Tagebuch eines Frosches.
Und die anderen Länder? 

Asso Filtro, Bitte


 »Asso Filtro, bitte.« Helga reichte ihr abgezähltes Kleingeld durch das enge Fenster des vollgestopften Kiosks. Nahezu zeitgleich schoss ihr daraus ein sonnengebräunter Arm entgegen – zwischen Zeige- und Mittelfinger seiner Hand griffbereit die verlangte Zigaretten-packung.
»Danke!«, sagte Helga und sah auf. »Prompter konnte es kaum gehen!«
Der Insasse des Kiosks löste sich etwas aus der dunklen Anonymität seines Hintergrunds, indem er sich vorbeugte und seinen gelockten Kopf sehen ließ.
»Touristin?«
»Nein, ich …« Helga stockte und starrte zuerst auf zwei schimmernde schwarze Augen und dann auf die braunen Locken.
»Dacht’ ich mir. Sprichst gut Griechisch.«
...
»Wie heißt du?«
»Wassily.«
»Wann wirst du abgelöst?«
»Um fünf.«
»Was machst du dann?«
»Einen schönen Ausflug mit dir. Wie heißt du?«

Wassily bedeutete Helga, auf dem Rücksitz seines Mopeds Platz zu nehmen, und fädelte sich kurz darauf in das Gewühl des nachmittäglichen Verkehrs ein ...
Auszug aus DIE BLAUE TÜR von Brigitte Münch - Ägäische Geschichten

Freitag, 15. Juli 2011

DRACHME ΔΡΑΧΜΗ

Drachme
Die Drachme gibt es schon seit dem antiken Griechenland als Zahlungsmittel der Griechen. Es leitet sich ab vom Verb δράσσειν (ergreifen, nehmen – Genommenes oder eine Handvoll). Deshalb wird es uns Fröschen auch weggenommen. Als Steuern, als Abgaben, Zinsen, Zusatzleistungen – so viel Namen gibt es gar nicht, wie wölfische Ideen, um die Drachme zu ergreifen. Im Jahr 2001 hat die EU gegriffen und jedem griechischen Frosch seine Handvoll Drachmen genommen – dafür gab es den Euro. Aber wenn wir Frösche so richtig nachdenken, gibt es den eigentlich gar nicht. Den Euro. Also nicht im Plus. Denn von den Euros gibt es soviel Schulden, wie es gar nicht gedruckte Euros gibt. Damit haben sie den Euro auch genommen. Wir wissen nur nicht wer und wohin ...(Auszug aus dem Froschglossar des Buches "KRISE! KRISE! - Schulden am Olymp - Tagebuch eines Frosches" von Edit Engelmann.